Interview 2:

Ulrike Fassbender, Bio Ferme La Bordeneuve

Heute stellen wir euch Ulrike Fassbender vor, sie betreibt im Gers, der „Toskana Frankreichs“ etwa 50 km von Toulouse entfernt, eine Bio-Ferme mit Schafzucht und Gänsen: La Bordeneuve.
Bei unserem Besuch stellen wir fest: Die Ferme ist wirklich ein ganz besonderer Ort, sie liegt einsam auf einer Anhöhe, in der Nähe des malerischen Ortes Gimont.  Die Gänse schnattern und tummeln sich um den Rasensprenger, alles blüht, Hund Domino räkelt sich in der Sonne. Man spürt: Auf La Bordeneuve wurde ein Traum verwirklicht.

Frau Fassbender, wie lange leben Sie bereits hier und warum gerade Frankreich?

Vor 17 Jahren wurde die Farm La Bordeneuve erworben. Diese einmalig harmonische, leicht hügelige Landschaft, die freundlichen Menschen, die interessante Küche und das angenehme Klima:  es war „Liebe auf den ersten Blick“

 

Sie sprechen  fließend französisch, wie haben Sie so gut Französisch gelernt?

Vorkenntnisse waren aus meiner Schulzeit vorhanden, Nachbarn und Freunde haben sich sehr viel Mühe gegeben mein Vokabular zu erweitern. Nun spreche ich gebrochen gascognisch mit deutschem Akzent!

 

Welchen beruflichen Hintergrund hatten Sie in Deutschland – und welchen  Zugang hatten Sie vor Ihrer Selbständigkeit als Hofwirtin zur Landwirtschaft und Viehzucht?

Meine Vorfahren stammen aus der Landwirtschaft, so dass ich immer mit der Thematik, und den Anforderungen der besonderen Lebensweise in der Landwirtschaft in Berührung war.

 

Wie sieht Ihr Angebot aus? Kann man ihre Produkte lokal erwerben und gibt es auch spezielle Angebote für Familien?

Die Produkte meiner Farm, in der Hauptsache das bio-Lammfleisch kann direkt ab Hof erworben werden. Die Tatsache, dass meine Schafe ausschliesslich auf den Wiesen der Farm weiden und fast ausschließlich im Freien sind, sowie die Auflagen und Kontrollen zur Herstellung meiner Produkte, der Organisation „bienvenue à la ferme“ und ECOCERT garantieren meinen Kunden eine gute Qualität.

 

Was unterscheidet einen Bio-Hof von einem herkömmlichen Bauerhof?

Welche Philosophie steckt hinter La Bordeneuve?

 Generell kann man sagen, dass bei der Produktion von BIO-Produkten keine Herbizide und Fungizide verwendet werden, der Natur und Umwelt wird ein besonderer Respekt entgegen gebracht. Details erfahren Sie im Rahmen meiner Führungen.

 

Welche Gründe waren für Sie entscheidend, sich selbständig zu machen und somit auch ein gewisses geschäftliches Risiko und eine persönliche Verantwortung zu übernehmen?

Hier war es die Liebe zur Natur und die Bereitschaft aktiv eine Verantwortung für den Schutz der Natur, die Erhaltung kleiner Strukturen, und der Verbreitung dieser Idee, zu übernehmen. Ich habe den Wunsch, diese Verantwortung auch in anderen Menschen zu wecken.

 

Frau Fassbender, es scheint, dass es auf Ihrem Hof eigentlich immer etwas zu tun gäbe. Haben Sie Helfer oder Angestellte?

Ja, ich bin Mitglied der Organisation wwoof. Menschen aller Altersklasse aus aller Herren Länder haben über wwoof zu meiner Farm gefunden. Gegen Mithilfe bei den anstehenden Aufgaben erhalten sie Kost und Logis. Jeder Aufenthalt ist ein einmaliges Erlebnis und ein reger Gedanken- und Erfahrungsaustausch auf beiden Seiten.

Seit drei Jahren kommen junge Schüler der Waldorfschule Kleinmachnow/Berlin im Rahmen ihres Schulpraktikums zu mir ebenso wie Praktikantinnen der Schule St. Christoph in Masseube und der Landwirtschaftlichen Fachschule in Rennes.

 

Wie haben Sie sich auf die Selbständigkeit in Frankreich vorbereitet?

Kann man sich tatsächlich auf „alle“ Situationen vorbereiten?

Die Kenntnisse, die ich über die landwirtschaftliche Fakultät in Bonn erwerben konnte, haben mir eine gute Grundlage für Entscheidungen gegeben.

Aber das ist ja das spannende am Leben, dass man sich nicht auf alle Situationen vorbereiten kann!

 

Welche Erfahrungen haben Sie als Deutsche im Ausland auf dem Weg in die Selbständigkeit gemacht? (Bürokratie, sprachliche Barrieren, Mitbewerber-Reaktionen, Zuspruch und Kritik)

Hier im Gers hat man mich stets als Mensch unter Menschen behandelt. Zwar sind die Behörden hier in Frankreich anders organisiert als in Deutschland, aber das gegenseitige Verständnis und die Achtung vor der Leistung der Mitarbeiter auf den Ämtern und Behörden lässt erst gar keine Barrieren aufkommen.

 

Welche Eigenschaften oder Fähigkeiten sind Ihrer Erfahrung nach grundsätzlich förderlich, um den Schritt in die Selbständigkeit in Frankreich zu wagen bzw. auch, um die Selbständigkeit erfolgreich fortzuführen?

Eine positive Grundeinstellung, der Wille, das gesteckte Ziel zu erreichen und eine Portion Geduld. Länder unabhängig gilt die gleiche Regel wie überall: als Selbständige arbeiten Sie SELBST und STÄNDIG. Es gibt keinen 8 Stunden Tag und keine 5-Tage Woche, aber die Freiheit sich die Arbeitsabläufe selbst zu organisieren.

 

Ihre Kinder sind inzwischen erwachsen und leben in Deutschland. Meist ist es ja umgekehrt, die Kinder gehen ins Ausland, die Eltern bleiben in Deutschland. Wie ist Ihre Familie mit der Idee und Umsetzung der Selbständigkeit umgegangen, und was haben Sie als besonders unterstützend oder hilfreich empfunden?

Meine Kinder sind erwachsen und berufstätig. Wie alle jungen Leute ihrer Generation sind sie flexibel und werden sich dort aufhalten wo sie Arbeit finden; dies kann auch außerhalb Deutschlands sein.

 

Frau Fassbender, können Sie uns noch abschließend Ihren persönlichen Freizeittipp für Familien nennen, vielleicht bei Ihnen in der Gascogne?

Die Freizeitmöglichkeiten sind im Midi-Pyrénées sehr vielfältig.

Auf meiner Farm biete ich neben den Führungen auch Verkostungen vorwiegend eigener Produkte und Kochkurse (wir kochen und essen gemeinsam) an. Erwachsene wie Jugendliche und Kinder sind herzlich willkommen. Die Events werden jeweils individuell organisiert.

 

Liebe Frau Fassbender, vielen Dank für Ihre Antworten.

 

 

Frau Fassbender bietet auf ihrem Hof auch für Familien sehr empfehlenswerte Kochevents und Degustationen an. Mehr über ihre Angebote und die Bio-Ferme La Bordeneuve findet ihr unter

 

www.ferme-bio.eu 

 

Auf den Geschmack gekommen? Hier noch ein Auszug aus einer FR3 Folge der TV- Dokumentation "Carnet du sud“ vom 20.04.2010 über La Bordeneuve.


 

 

 

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