Interview 7:

Thomas Heins, Leiter Werkstatt, La Garage Heins

Ich treffe Thomas Heins an einem typischen heißen Abend in seiner Werkstatt in Montaigut sur Save. Diesmal sehe ich als erstes Henrick, den Sohnemann aufm Kettcar und nicht wie sonst immer Eros, den stattlichen Werkstatthund. Das ist er nicht aus Zufall, denn Eros begrüßt und verabschiedet eigentlich so ziemlich jedes Auto, was vorfährt oder abfährt. Aber auf französisch, das heißt: entspaaaaaannnt.
Klischeehafter geht es kaum noch aber bevor wir mit dem Interview anfangen, muss Thomas sich noch eben seine motoröligen Hände waschen...
Nun lerne ich das "hinter der Werkstatt" kennen, mich erwartet ein großer, sehr großer Garten. Der Duft von Jasmin und Belle de nuit weht mir um die Nase und ich vergesse ein bisschen, dass ich jetzt ein Interview mit einem Autoschlosser habe. Tja, die Klischees.

 


Foie Gras oder Leberwurst?
Foie Gras ist Leberwurst.

(Anm. d. Red. Ich persönlich würde das einem Franzosen gegenüber nicht erwähnen oder es ihm verdammt sanft beibringen, bon. ;) )

Edith Piaf oder Hans Albers?
Edith Piaf.

Fußball oder Rugby?
Rugby.

Chaleur oder Schietwetter?
Chaleur.

Bestes Mittel um durch die Chaleur zu kommen?
Füße in die Piscine und ein Glas eiskalten Pastis.

In Frankreich mag ich am liebsten…
meine Familie.

Ente oder Käfer?
Essen – Ente / Fahrzeug – Käfer


Seit wann lebst Du hier in Frankreich?
Seit September 1992.

Was hat Dich bewogen hier her zu ziehen?
Der Job.

Das war damals noch bei Airbus?
Ja, von 1992 bis 2010 war ich entsendet.
Und nach 27 Jahren insgesamt war dann Schluss.

Was war der Grund?
Die Art und Weise wie heute Flugzeuge gebaut wurden.

Die technische Seite?
Nein, aber eigenltich möchte ich zu diesem Thema nicht groß was sagen! Nur soviel,
„Ich war mit Leib und Seele AIRBUSIANER!“


Wie hast Du die Sprache gelernt und wie lange hat es gedauert?
Zu aller erst: ich habe mich hier vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt und ich denke, mich sehr schnell akklimatisiert zu haben. Anfangs konnte ich fünf, sechs Worte aus dem Fernsehen. Bonjour, fromage, jambon, au revoir, l’amour und je t’aime. Bon, das kannte man aber sonst rein gar nichts. Bei der Arbeit wurde englisch gesprochen und ich habe dann relativ schnell einen Crash-Kurs belegt. Resultat davon war dann, dass man sich vorstellen konnte oder ein Baguette kaufen gehen kann. Grammatikalisch war das noch Nichts ( und selbst heute noch katastrohal! Sagt meine Frau) aber ein Anfang. Dann kam der zweite Kurs. Aber da war immer so eine Sprachbarriere oder besser: Angst, etwas Falsches zu sagen.

Und dann redet man lieber gar nicht.
Genau, dann sag ich lieber gar nichts, bevor die, mit denen ich spreche, anfangen zu lachen oder sonst was.
Also weiterhin Durchwurschteln mit englisch. Aber das war nicht so das Wahre, vor allen Dingen, um in Kontakt mit den französischen Kollegen zu kommen und am Informationsfluss teil zu haben. Einfach gesagt: sich dazugehörig zu fühlen. Dann nach ca. zwei Jahren gab es ein Schlüsselerlebnis.
Ich hatte damals einen Kollegen, den wir den „General“ nannten, aus dem Grund, weil er vor Nichts und Niemanden Angst hatte. Der hat den ganzen Tag französisch parliert und redete einfach drauf los, am Telefon, überall, wie ihm der Schnabel gewachsen war und wurde somit zu meinem Vorbild.  
Er meinte damals: "Du wirst schon verstanden und wenn nicht", wird nachgefragt, eben ganz normal. Und wenn mal gelacht wird,  ist es nicht böse gemeint. Dann hat es bei mir klick gemacht und am nächsten Tag bin ich zu meinen französischen Kollegen los gings auf französisch. Und von da an gingen die Türen auf.

Welche Vorbereitungen hast Du getroffen, um Dich hier selbständig zu machen?
Ich bin in’s kalte Wasser gesprungen. Der Wunsch, mich selbständig zu machen, ist durch meine immer größer werdende Unzufriedenheit bei Airbus gewachsen. Dann ist in mir der Entschluss gereift, ich hör auf! Und dann gab es dieses Programm ROC. Reduce overhead Cost. Einfach gesagt: Airbus bietet einen Auflösungsvertrag an und die, die von sich aus gehen, bekommen eine Formel, an deren Ende eine Summe x herauskommt. Zu diesem Zeitpunkt hat es gepasst, die Frustration mit dem Wunsch zu gehen und dafür eine Abfindung zu bekommen; wahrscheinlich wär ich auch ohne gegangen. Hätte mir damals jemand gesagt: In zwei Jahren gehst Du mit ROC von Airbus weg, dem hätt‘ ich nen Vogel gezeigt.
Meine Idee: Ich will Autos reparieren, das kann ich, und los ging’s. Ich habe Autoschlosser gelernt und sieben Jahre in einer Honda-Mitsubishi-Werkstatt als Werkstattleiter gearbeitet. Gut, also als erstes habe ich mich hier in Frankreich arbeitslos gemeldet, dabei hat mir Sylvia, meine französische Frau viel geholfen. Die war immer dabei. Das war auch notwendig, weil es hier eben alles ein wenig anders läuft. Ziemlich schnell habe ich beim A-Amt dann meine Selbständigkeit thematisiert und ich bekam Infos und Beratung. Ich habe zusätzlich eine Info-Veranstaltung über die unterschiedlichen Geschäftsformen besucht und mich schlau gemacht. Meine Wahl fiel auf Auto-Entrepreneur und nach einigem Papierkram ging es los.

In wie weit arbeitest Du mit französischen Firmen/Werkstätten und Kunden zusammen?
Ich arbeite zum Beispiel mit einem Furnisseur/Lieferant zusammen, da hatte ich hin und wieder mal Befürchtungen, ob der mit mir ehrlich ist. Gott sei Dank, die Befürchtungen waren umsonst!
Aber es war alles gut bis heute. Ich bin dann nach und nach vorstellig geworden in den Werkstätten im Umkreis, die ich vorher als Kunde besucht hatte. Man muss sich seinen Respekt eben erst mal verdienen. Und nach einiger Zeit erledigt man einen Job für die und andersherum. So ist ein Netzwerk entstanden, das wichtigste überhaupt überall. Angefangen hat das mit Schraubschlüsselausleihen und natürlich mal ein bisschen schnuppern. Jetzt ruft man sich an und hilft sich, wo man kann. Und es werden immer mehr französische Kunden.

Können Dich 10 Pferde wieder nach Deutschland bringen?
Nicht mal 20!

Drei Käsesorten, die man hier kennen muss?
Comté, St. Aigur, Epoisses.

Dein Lieblingsziel rund um Toulouse?
Egal in welche Richtung man aufbricht – es ist überall schön, außer vielleicht im hohen Norden Frankreichs

 

Ihr braucht einen Termin oder Rat? Hier sind die Kontaktdaten:

Tel. : 05.61.85.95.29, port. :06.62.98.97.48,per Mail : pomas.heins@gmail.com

La Garage Heins | 350 Route de Daux | 31530 Mantaigut sur Save

 

 

 

 

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