Interview 1:

Stine Schleusener, Coach Sportif aus Pibrac

Stine, wie lange lebst du schon hier und wie kommt es dazu, dass du hier lebst? 

Ich lebe nun schon seit 5 Jahren in Frankreich.

Mein damaliger Freund (jetzt Ehemann ;-)) bekam das Angebot für 2 Jahre nach Frankreich zu gehen, um bei Airbus zu arbeiten und fragte mich, ob wir das Abenteuer zusammen angehen wollen.

Da ich gerade mit dem Studium zur Diplom Fitnessökonomin fertig war und unbedingt im Ausland Erfahrung sammeln wollte, kam das Angebot wie gerufen.

Aus den 2 Jahren sind jetzt 5 geworden und ein Ende ist nicht in Sicht.

 

Du sprichst sehr gut französisch, wie und wo hast du Französisch gelernt?

Danke für das Kompliment! Da meine französischen Schulkenntnisse sich als doch recht wenig alltagstauglich erwiesen, musste ich mich am Anfang ganz schön durchbeißen, wenn man in einem anderen Land leben möchte, muss ja jede Menge geregelt werden.

Meine erste Erfahrung hatte ich als ich mich beim französischen Arbeitsamt „arbeitssuchend" gemeldet habe. Ich war sehr positiv überrascht über die Freundlichkeit meines Gegenübers.

Ich hatte auch über das Arbeitsamt die Möglichkeit kostenlos einen Französischkurs zu besuchen. Der einzige Nachteil dabei ist, dass die Niveaus ziemlich durcheinander gewürfelt sind. Wer also schnelle Fortschritte erzielen möchte, dem rate ich doch lieber zu einem Intensiv Französischkurs (z.B bei bei der Aliance francais in Toulouse).

 

Wenige Monate später bekam ich über das Arbeitsamt die Möglichkeit in einem Restaurant zu arbeiten. Obwohl ich mir mit Kellnern schon mein Studium finanziert hatte, war ich total aufgeregt und super happy endlich wieder etwas zu tun zu haben. Nach ein paar Wochen verschwand nämlich langsam mein Urlaubsfeeling und das Gefühl der Abhängigkeit vom meinem Partner (ich habe vorher immer mein eigenes Geld verdient, das kratzte langsam an meinem Ego).

Ich bin dann auch gleich im Service eingesetzt worden und war dadurch gezwungen französisch zu sprechen. Ich kann da dem Sprichwort „Theorie ist gut - Praxis aber besser“ nur zustimmen. Durch die Freundlichkeit der Kunden, vergaß ich schnell meine Hemmungen und quatschte einfach drauf los.

 

Nach ca. 6 Monaten im Restaurant hatte ich den Mut, mich bei einer französischen Firma als Hostess zu bewerben. Obwohl sich im Einstellungstest meine französische Grammatikkenntnisse als „katastrophal“ erwiesen, bekam ich u. a. durch meine Kenntnisse in Deutsch und Englisch die Möglichkeit im Auslieferungszentrum von Airbus eine Festanstellung zu erhalten.

 

Die ersten Wochen waren super anstrengend, da ich alle Sprachen durcheinander sprechen und u.a. Telefonate und Emails auf Französisch schreiben musste.

Aber mit der Zeit lief dann alles automatisch und es wurde für mich immer selbstverständlicher Französisch zu sprechen.

Auch wenn ich heute noch Probleme mit der französischen Grammatik habe, beim Sprechen muss ich nicht mehr nachdenken.

 

Ich kann jedem nur raten, ins kalte Wasser zu springen und irgendetwas zu machen, ob nun im Hobby oder Job: Wichtig ist, dass man etwas für sein Selbstwertgefühl tut(auch wenn es erst einmal in einem ganz anderen Bereich ist)! Nebenbei lernt man Französisch und nette Leute kennen.

 

Wie wird man Personal Coach?

Ich habe in Deutschland mein – sehr praxisorientiertes- Studium zum Diplom Fitnessökonomin absolviert, sowie verschiedene Trainerlizenzen erworben und über 3 Jahre Berufserfahrung in unterschiedlichen Fitnessstudios und in einem der renommiertesten, deutschen 5 Sterne Hotel gesammelt.

Dort habe ich mich neben Fitnesskursen und Gerätetraining auch um die individuelle Betreuung der Kunden und um die Ernährungsberatung gekümmert, sowie um die Planung und Durchführung von unterschiedlichen Events. Gleichzeitig habe ich mich ständig fortgebildet, damit ich immer über die neusten Erkenntnisse im Gesundheitsbereich verfüge.

In Frankreich ist dieses Studium leider noch nicht bekannt und so musste ich zunächst einige Hürden nehmen, damit mein Diplom in Frankreich anerkannt wurde.

 

Wie sieht dein Angebot aus? Welche Zielgruppen möchtest du mit deinem Angebot ansprechen?

Ich habe für jeden etwas dabei.

Beim Personal Training stelle ich mich voll und ganz auf die Ziele und Wünsche meiner Kunden ein. Vom Powertraining über Abnehmprogramme zu gezielten Muskel- und Rehabilitationstraining bis hin zu Entspannungs- und Dehnprogrammen ist alles dabei. Wichtig ist mir hier, dass vorab ein gemeinsames gründliches Beratungsgespräch und eine gesundheitliche Analyse statt findet, damit das Trainingsprogramm auch erfolgreich und mit Freude absolviert werden kann.

Im Gruppentraining Buggyfitness biete ich ein gezieltes Fitnessworkout für alle Mamas zusammen mit ihren Babys und Kleinkindern nach der Schwangerschaft an.

Nordic walking ist Ausdauertraining mit Stöcken, das besonders Gelenk- und Rückenschonend ist.

Body-Power ist ein Rundumprogramm und für alle Outdoor-Fitness Fans geeignet, die ihre Kondition verbessern und den Körper in Form bringen möchten. 

 

Welche Gründe waren für dich entscheidend, dich selbstständig zu machen und nicht etwa ein „sicheres“ Angestelltenverhältnis einzugehen?

Generell ist es heutzutage eher selten im Fitnessbereich eine Festanstellung zu bekommen.

Die meisten Trainer sind selbständig gemeldet und bieten in unterschiedlichen Fitnessstudios ihre Kurse an.

Hinzu kommt, dass ich Kurse anbiete, die in dieser Region noch relativ unbekannt sind, wie z.B. Buggyfitness und Nordic Walken.

Ansonsten übe ich meinen Beruf mit Leidenschaft und aus Überzeugung aus. Als Selbstständige habe ich hier einfach mehr Freiraum, als wenn ich als Angestellte z.B. einen Kurs geben müsste von dem ich nicht überzeugt bin.

 

Wie hast du dich auf die Selbständigkeit vorbereitet (Seminare, Bücher, Internet...)?

Über das Arbeitsamt hatte ich dann die Möglichkeit ein dreimonatiges Existenzgründungsseminar zu besuchen. In Einzelgesprächen und Gruppentraining wurden die unterschiedlichen Inhalte und Formen der Selbständigkeit aufgezählt und erklärt.

Dieses Seminar hat mir sehr geholfen das französische System besser zu verstehen und mich auf meinem Weg in die Selbständigkeit bestärkt.

 

Welche Erfahrungen hast du als Deutsche auf dem Weg in die Selbständigkeit gemacht?

Sich selbständig zu melden dauert beim Amt ganze 5 Minuten. Die bürokratische Abwicklung vorher kann sich u.a. allerdings über Monate hinziehen. In meinem Fall war es die Anerkennung von meinem „deutschen“ Diplom. Dies was mit vielen Komplikationen verbunden. Aufgrund unterschiedlicher Ausbildungsbedingungen bzw.- Abschlüsse hat die EU aus meiner Sicht noch Nachholbedarf.

So war es für mich oftmals schwierig die zuständigen Personen zu finden und ich wurde von einem Amt zu nächsten geschickt. Dann bekam ich endlich heraus, dass die Kommission, welche sich mit der Anerkennung von europäischen Diplomen beschäftig ihren Sitz in Paris hat. Da diese nur einige Male im Jahr zusammen kommt, hat es einige Monate gedauert bis ich endlich meine lang ersehnte Anerkennung in den Händen hielt.

Ich kann jedem, der ähnliche Überlegungen anstellt nur raten, sich rechtzeitig zu erkundigen ob eine Anerkennung des Diploms, Gesellenbriefes etc nötig ist oder nicht.

In meinem Fall war es wichtig für die Versicherung (und ohne Versicherung keine Selbständigkeit). Ansonsten macht es sich natürlich auch als Aushängeschild immer besser ein anerkanntes Dokument vorzeigen zu können.

 

Welche Eigenschaften oder Fähigkeiten sind deiner Erfahrung nach förderlich, um den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen bzw. auch, um die Selbständigkeit erfolgreich zu erhalten?

Bezogen auf Frankreich:

Französische Sprachkenntnisse , viel Geduld (damit tun wir Deutschen uns ja immer etwas schwer…..mich eingeschlossen ;-)), denn man muss sich mit sehr viel Bürokratie herumschlagen.

Auf die Persönlichkeit bezogen denke ich, ist es vor allem wichtig mit voller Überzeugung hinter dem Angebot (Dienstleistung / Produkt) zu stehen um dieses auch ehrlich und professionell an den Kunden weitergeben zu können.

Man sollte keine Konkurrenz scheuen aber natürlich den Markt ständig auf Angebot und Nachfrage hin analysieren um der Konkurrenz einen Schritt voraus zu sein.

 

Außerdem sollte man eine gewisse Portion Selbstbewusstsein und Energie mitbringen.

 

Du bist auch Mutter, Stine. Wie schaffst du es, deine Selbstständigkeit mit der Familie und der Kinderbetreuung zu verbinden?

Es ist nicht immer leicht alles miteinander zu vereinbaren, zumal unsere Familie in Deutschland lebt und dadurch Oma und Opa nicht einspringen können.

Ein Glück habe ich eine tolle Nounou (Tagesmutter) gefunden, die meine Kleine ein paar Stunden in der Woche betreut. Die restliche Betreuung muss innerhalb unserer kleinen Familie oder mit der Unterstützung von Freunden organisiert werden.

Das Gute in meinem Fall ist, dass ich nicht rund um die Uhr arbeiten muss und so kann ich die restliche Zeit mit meiner Tochter genießen.

 

Kannst du uns als Personal Coach und Mutter zum Abschluss noch deinen regionalen „Geheimtipp“ für eine aktive Familienzeit nennen?

Wir gehen gerne in den Pyrenäen wandern. Empfehlen kann ich eine sehr schöne Tour zum Lac d’Oô (Atofahrt: eine Strecke ca.1,5 Std, Weg zum Lac: ca. 1,5 Std). Oben angekommen bietet sich ein wunderschöner Blick auf den See mit Wasserfällen. Es gibt dort auch ein kleines Restaurant und gemütliche Wiesen zum Picknicken.

Ansonsten entdecken wir immer wieder neue wundervolle Plätze in Frankreich.

 

Es klingt vielleicht kitschig, aber auch wenn ich meine Familie in Deutschland vermisse, Frankreich ist nicht nur der Geburtsort meines Kindes, sondern für uns zur Heimat geworden.

 

 

Liebe Stine, vielen Dank für deine Antworten.

 

Mehr Infos zu Stine und ihrem Angebot hier:

 

www.votrecoachsportif.net

 

 

 

 

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