Interview 4:

Michael und Jutta Martin, Séquoia Vertigo Hochseilklettergarten

Der Wetterbericht hat Regen angekündigt, aber wie so oft strahlt die Sonne vom Himmel, wir genießen die tolle Landschaft, am Horizont sieht man die Berge, was für ein tolles Bild. Wir treffen Michael und Jutta Martin, die Betreiber des Séquoia Vertigo Parcs, eines Hochseilklettergartens etwa 50 Minuten entfernt von Toulouse im Ariège. Sie leben mit ihrer Familie schon seit 30 Jahren in Frankreich.

K&K TLS: Jutta und Michael, was hat euch nach Frankreich geführt?
Michael Martin: Das war eigentlich ein Zufall, als wir in Deutschland auf der Suche nach einem Haus waren, mussten wir feststellen, dass unsere Wünsche und die tatsächlichen Objekte auf dem Markt doch sehr unterschiedlich waren. Wir träumten von einem bezahlbaren Haus, in schöner Natur. Und eben bei dieser Haussuche trafen wir eine Frau, die uns von ihrem Haus in Südfrankreich erzählte, sie war eine Aussteigerin. Sie machte uns neugierig, wir besuchten sie und entdeckten dabei unser jetziges Haus. Zu dieser Zeit stand das Leben und die Zeit hier noch still, die Kaufpreise waren lächerlich gering, viele Häuser standen leer und die Menschen, die hier lebten, hatten meist keine Zentralheizung und lebten sehr einfach.  Wir verliebten uns in dieses alleinstehende Haus inmitten eines riesigen wilden Grundstückes, früher stand hier ein Schloss, davon war damals aber nur noch eine Ruine zu erkennen. Wir  kauften erst das Haus, Jahre später auch das umliegende Land, auf dem heute der Hochseilgarten betrieben wird.


K&K TLS: Der Klettergarten existiert seit 7 Jahren, wie habt ihr beruflich euer Leben in Frankreich begonnen?
Jutta Martin:  Wir haben vorher in Deutschland  ganz unterschiedliche Dinge gemacht, ob Maschinenbaustudium, oder Schlosser,  Pharmazeutische Angestellte,  Jobs in der Bank oder in der Buchhaltung...  Hier haben wir aber etwas ganz neues begonnen. Anfangs haben wir in Kooperation  mit einem Sozialprojekt in Paris unter der Leitung von Claude Olivenstein (Anmerkung K&K TLS: Wurde als  der Psychiater der Drogenabhängigen in Frankreich betrachtet)  hier bei uns jeweils für ein halbes Jahr jugendliche „cleane“ Drogenabhängige aufgenommen. Sie sollte aus ihrem Milieu herauskommen und eine reelle Chance haben, den Weg in ein drogenfreies und sozial integriertes Leben zu schaffen. Unter diesen jungen Menschen brach bei einigen der HIV- Virus aus. Wir konnten und wollten sie nicht fallenlassen, es ergab sich so, dass wir sie bin zu ihrem Tod bei uns hier betreuten. Dies taten wir insgesamt 7 Jahre lang, eine wertvolle, wenn auch nicht ganz einfache Zeit. Wir haben aufgrund unserer Erfahrungen mit den ehemaligen Drogenabhängigen und auch mit den Aidsbetroffenen  verstanden, dass man gefährdeten Jugendlichen auch eine Perspektive bieten muss, um eben solche Wege zu vermeiden. Darum folgte eine Kooperation mit einem Norddeutschen Träger. Wir nahmen deutsche „schwererziehbare“ Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren bei uns auf, unterrichteten sie hier (K&K: In Frankreich ist  Privatunterricht anders als in Deutschland legitim) und bereiteten sie auf ihren Hauptschulabschluss und Ausbildung in Deutschland vor.


K&K TLS: Wie kam es dann zum Hochseilgarten?
Michael: Als unser Sohn etwa 5 Jahre alt war, war es dann einfach Zeit, etwas anderes zu machen. In einem Urlaub am Atlantik dachten wir in einem Hochseilgarten „das ist es“. Die ersten fünf Parcours haben wir hier errichten lassen, später haben wir den Bau selbst übernommen, durch meinen beruflichen Hintergrund war das natürlich ideal. Mittlerweile haben wir 13 Parcours.


K&K TLS: Was genau bietet Ihr an?
Jutta:  Wir haben auf unserem Gelände 13 Parcours, 2 davon für jüngere Kinder (2 bis 6 Jahre) die anderen für ältere Kinder (ab 6 Jahre- Erwachsene), die Parcours sind mit einem durchgehenden Sicherungsseil ausgestattet und bieten somit den höchsten Sicherungsstandard.  Von den Kinderparcours bis zu den 30m hohen Parcours ist alles möglich: Klettern, Balancieren, Surfen, die Tyroliennes,  Liane  oder der Parcours mit dem Tarzanschrei. Was uns wichtig war: Wir haben alle Bäume in ihrer Ursprünglichkeit belassen, der Wald ist so dicht geblieben, wie er war. Dies erlaubt uns auch (auf Reservierung)  Naturlehrgänge anzubieten: Riechen, Lernen, Fühlen, die spannende Vorgänge und Hintergründe der Natur in unserem Wald, Lehrpfad und Garten erfahren. Zudem noch die reichhaltige Tierwelt. Genau wie bei den Parcours werden die Führungen von speziell ausgebildeten und staatlich geprüften Führern geleitet.

 

K&K TLS: Wo habt ihr so gut Französisch gelernt?
Michael: Ich konnte anfangs nur Schulfranzösisch, Jutta sprach kein Französisch, aber, wenn man länger hier lebt, kommt die Sprache einfach mit der Zeit. Wir hatten ja mit den französischen Jugendlichen gearbeitet, mit ihnen zusammen gewohnt, so ging das mit der Sprache fast nebenbei.  Die Reaktionen der Franzosen waren immer sehr positiv auf unsere Bemühungen, so dass wir irgendwann einfach nicht mehr zu viel nachdachten über Fehler, sondern einfach sprachen, das half ungemein. Unser Sohn sprach, bis er zur Schule kam, nur deutsch, spricht aber heute selbst mit uns nur Französisch.


K&K TLS: Ihr wart in Deutschland auch schon selbständig, wie habt ihr die Unterschiede erlebt?
Jutta: Was die Bürokratie betrifft, ist Frankreich ähnlich wie Deutschland, es ist nicht einfacher hier. Ebenso die Abgaben und Steuern, die man entrichten muss. Man muss sich wirklich immer an alle Vorgaben und Verwaltungswege halten, Abkürzen geht nicht. Auch die Mitarbeiterführung hier ist etwas anders, auch hier sind Mentalitätsunterschiede spürbar. Wenn man das verstanden hat, kann man aber auch damit umgehen.


K&K TLS: Spielt eure deutsche Herkunft heute noch eine Rolle im alltäglichen Leben?
Jutta: Eigentlich nicht. Wir sprechen, wenn wir alleine sind, natürlich deutsch miteinander. Bei mir hört man es heraus, dass ich keine Französin bin, aber hier auf dem Land lebt man sich zwangsläufig schnell ein unter Franzosen.


K&K TLS: Vielen Dank für dieses nette Interview mit Euch. Habt ihr vielleicht noch einen Tipp für Familien, die euren Park besuchen möchten, vielleicht für die Umgebung des Parkes?
Martin:  Unser Park öffnet ab Mai täglich ab 10 Uhr.  Vor oder nach einem Besuch empfehlen wir einen Besuch im charmanten Künstlerdorf Carla- Bayle, im Juli und August lohnt sich auch gerade mit kleinen Kindern zum Abkühlen ein Besuch am Badesee des Ortes. „ Costa Carla“ nennen die Einheimischen den Badesee mit gesichertem Schwimmbereich, Sandstrand und Bademeister. Oder, wenn man an einem Sonntag kommt, schlendert man vor dem Klettergang über den kleinen aber feinen Biomarkt in Montbrun- Bocage,  jeden Sonntag gibt es dort neben lokalen Bioprodukten auch immer eine fantastische Pizza an einem Stand, die man probiert haben sollte (aber nicht zu spät kommen, sie ist sehr beliebt!).


Wir haben den Park übrigens selbst auch ausprobiert, die Parcours machen sehr viel Spaß, ob groß oder klein: man schreit, kichert und ist am Ende unglaublich stolz und entspannt. Auch oder gerade mit Kleinkindern oder Babys in der Familie lässt sich der Park wunderbar besuchen, da man sich prima abwechseln kann und es auch für die Kleinsten viel Platz und Orte zum Ausruhen und Toben und Spielen vorhanden sind. Und: Denkt an euren Picknickkorb, es gibt eine große Picknickfläche!

 

Alle Infos zum Sequoia Vertigo Parc bei Carla Bayle findet ihr unter
www.seqoia-vertigo.com

 

 

 

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