Interview 3:

Corina Claude, Psychologin und Psychotherapeutin

Im dritten Teil unserer Interviewserie zu deutschen Profilen in der Region stellen wir euch Corina Claude vor. Sie ist Psychologin und Psychotherapeutin mit eigener Praxis in Toulouse und zudem noch eine der Mitbegründerinnen des Vereins „Les Petits Teutons“, er bietet regelmäßige  deutschsprachige Treffen für deutsche und französische oder auch binationale Familien an.

 

 

Corina, wie lange lebst du schon in Frankreich und was hat dich hierher geführt?
Ich bin vor ungefähr 12 Jahren durch meinen Mann nach Frankreich gekommen, einen Franzosen, den ich in Deutschland kennen gelernt habe.

 

 

Dein Studium hast du hier in Frankreich absolviert, konntest du vorher schon sehr gut französisch?
Eigentlich nicht. Ich hatte überhaupt keine schulischen Kenntnisse aber bevor ich nach Frankreich ausgereist bin, hatte ich sehr intensiv mit Hilfe meines Mannes französisch gelernt, damit ich dort dann auch weiter studieren konnte. Um an einer französischen Hochschule regulär studieren zu dürfen, muss man einen schriftlichen Sprachtest ablegen, und es war mein Ziel, vor der Abreise nach Frankreich all diese administrativen Angelegenheiten schon in Deutschland abzuklären.

 

 

Du bist mit einer eigenen Praxis selbständig, was hat dich zur Selbständigkeit bewogen?
Ich denke, das ist vor allem eine Frage der Persönlichkeit. Schon während des Studiums war mein Berufsziel darauf ausgerichtet, früher oder später meine eigene Praxis aufzumachen. Die Freiheit der Arbeitsweise und die Verantwortung, die man gegenüber seinen Patienten trägt, stimulieren mich besonders.

 

 

Wir würdest du deinen Weg in die Selbständigkeit beschreiben?  Was war förderlich, gab es Hindernisse?
Die persönliche Motivation ist natürlich ausschlaggebend, und man kann sich den Weg vereinfachen, wenn man das französische bürokratische System und die Hilfeleistungen kennt. Zum Beispiel bietet das französische Arbeitsamt (pôle emploi) verschiedene Ateliers an, um die Planung des Sprungs in die Selbstständigkeit zu unterstützen  und um die Anwärter über finanzielle Hilfsleistungen zu informieren. Dank dieser Hilfen war die größte Schwierigkeit für mich eher die strategische Überlegung zum Standort meiner zukünftigen Praxis, da es ja doch ein großes Angebot an Psychologen in Toulouse gibt, und überhaupt einen passenden Praxisraum zu finden. Wenn man erst einmal eine klare Planung für seine "Geschäftsidee" hat, sind die verschiedenen Amtsgänge, die zur Anmeldung der selbstständigen Tätigkeit nötig sind (vor allem bei der URSSAF, die z.B. auch die Anmeldung bei der Kranken- und Rentenkasse übernimmt), kein großes Problem. Außerdem gibt es seit kurzem einen neuen vereinfachten Selbstständigenstatus in Frankreich, den "auto-entrepreneur", der das Ganze noch erleichtert und das finanzielle Risiko der Selbstständigkeit etwas eingrenzt.

Hast du eine Spezialisierung oder einen besonderen Schwerpunkt in deiner Arbeit mit Patienten?
Dank meines Studiums in der klinischen Psychologie habe ich eine sehr weit laufende Ausbildung, die nicht auf eine bestimmte Patientengruppe oder ein bestimmtes Krankheitsbild ausgerichtet ist. In der Behandlung empfange ich sowohl Erwachsene, als auch Kinder und Jugendliche, in Einzel- oder Familiengesprächen. In meiner Praxis hat es sich erwiesen, dass viele Patienten Hilfe bei Depression und Angstzuständen suchen, oder auch bei grundlegenden existenziellen Fragen ohne deutlich erkennbare Symptome sondern mit einem gewissen psychologischen Unwohlsein. Manche Leute wenden sich auch an mich, um schwierige Lebenssituationen wie Krankheit, Tod von Angehörigen, Trennungen oder Arbeitsstress besser zu überwinden. Durch mein persönliches berufliches Interesse beschäftige ich mich auch sehr viel mit Fragen rund um die Schwangerschaft und um das Elternwerden. Ich habe übrigens einen Verein mit einer Kollegin gegründet, der speziell in diesem Bereich tätig ist, aber für die Gesprächsgruppen, die wir werdenden und jungen Eltern anbieten, legen wir aus praktischen Gründen zur Zeit eine Zwangspause ein.

Spielt deine Herkunft bei deiner Arbeit eine Rolle?
Gegenüber französischen Patienten denke ich nicht, dass meine Herkunft eine große Rolle spielt, da man sie mir fast nicht mehr anmerkt. Im Gegenteil sagt man mir häufig, dass ich einen französischen Akzent habe wenn ich deutsch spreche, und das Umstellen von Französisch auf Deutsch mit meinen deutschen Patienten ist anfangs manchmal ein bisschen holprig. Da meine Praxis im Osten von Toulouse liegt, ist der Weg zu mir von den deutschen Hochburgen rund um Airbus ein bisschen weit, und daher habe ich in meiner Praxis eher eine französische Klientele. Um auch mit deutschen Patienten arbeiten zu können, mache ich auch öfters Hausbesuche in Colomiers und Umgebung, wenn sich die deutschen Patienten, die dort wohnen, sich nicht zu mir bemühen können. Diese Organisation erlaubt es mir, mit beiden Nationalitäten zu arbeiten, was für mich persönlich auch sehr wichtig ist. Was die administrativen Angelegenheiten belangt, macht es keinen Unterschied, ob man Deutscher oder Franzose ist, da das System alle EU-Bürger mit einschließt.

Neben deiner Tätigkeit als Psychologin engagierst du dich im Verein „Les petits Teutons“. Welche Idee steckt hinter dem Verein und wer kann bei euren Treffen vorbeischauen?
Die Idee für unseren Verein kam uns, da Jana, die zweite Mitbegründerin, und ich beide deutsch mit französischem Mann sind und unsere Kinder zweisprachig aufwachsen lassen. Der Austausch mit anderen deutschsprachigen Kindern und Eltern scheint uns sehr wichtig, damit die Kinder mehr Gelegenheiten bekommen, diese Sprache und diese Kultur im französischen Umfeld investieren zu können. Zu unseren Treffen kommen also Familien, in denen  wenigstens zum Teil deutsch gesprochen wird, und die Spiele, Lieder, Geschichten und kreative Tätigkeiten, die wir anbieten, finden auf Deutsch statt. Auf unserer Internetseite www.les-petits-teutons.org sieht man den Terminkalender der nächsten Treffen, und wir bitten immer um eine Bestätigungsmail, wenn jemand vorbeikommen will, damit wir unsere Aktivitäten der Anzahl und der Altersgruppe der Teilnehmer anpassen können.

Liebe Corina, vielen Dank für das nette Interview mit Dir, hast du abschließend noch einen Tipp für Familien in und um Toulouse?

Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt der Toulouser Museen gratis, und für Kinder die sich für Tiere interessieren, finde ich da das naturgeschichtliche Museum am Jardin des Plantes sehr schön. Auch die große Mediathek Marengo hat eine eigene Etage für Kinderbücher, darunter sogar einige deutsche, und sie ist auch sehr kinderfreundlich eingerichtet mit bunten Teppichen und vielen kleinen Stühlen. Und was ich ganz unumgänglich vor allem für jüngere Kinder finde, das sind die Ludotheken, die es in fast allen Toulouser Stadtvierteln gibt. Dort können sich die Kinder mit verschiedenen Spielzeugen und Gesellschaftsspielen austoben und beschäftigen.
Und wenn das Wetter schön ist, dann ist ein Tagesausflug zum Animaparc, ein Park mit Streichelzoo und verschiedenen Fahrgeschäften von 0 bis 12 Jahren, in der Nähe von Grenade zu empfehlen.



Corina Claude ist klinische Psychologin und Psychotherapeutin,

ihre Praxis befindet sich südöstlich von Toulouse:
Centre Médical de la Balme
1 rue des Pyrénées
31450 Belberaud
Tel : 06.64.39.12.21

Daneben ist Corina Claude Mitbegründerin des deutschsprachigen Vereins
„Les petits Teutons“, Infos zur Spielgruppe und den monatlichen Treffen gibt es hier.

 

 

 

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