Neues aus Toulouse, der Kind und Kegel Blog

Willkommen in Frankreich, willkommen in Toulouse!

 

Bei aller Euphorie über das bevorstehende Abenteuer ins Ausland zu gehen, eine andere Kultur kennen zu lernen – ja, die Franzosen sind anders! ;-) - schleichen sich evtl. auch bei dir dann und wann Zweifel oder leichte Ängste ein, wie dein Alltag hier tatsächlich sein wird.

 

Straßenpläne, Klimatabellen und Restaurant-Tipps über Toulouse und die Region Midi-Pyrénées findet man im Internet in Hülle und Fülle; wir wollten dagegen in Erfahrung bringen, wie es anderen ergangen ist, sich hier Stück für Stück einzuleben oder sogar schon zu Hause zu fühlen.

 

Das Team von Kind und Kegel hat sich deshalb aufgemacht und Expats interviewt, die genau diesen Schritt schon gemacht haben und bereit waren, uns Antworten auf unsere - zum Teil sehr persönlichen - Fragen zu geben.

 

Wir wünschen euch viel Freude beim Lesen dieser Interview-Serie in lockerer Abfolge und hoffen, dass diese Erfahrungsberichte euch helfen, euch noch schneller und unkomplizierter in Toulouse angekommen zu fühlen.

 

Es grüßen euch sehr herzlich,

Peggy, Anja und Friederike

Fr

06

Okt

2017

Interview mit Anne, 42 Jahre, verheiratet, zwei Kinder (5 und 2 Jahre), seit 04/2014 in Toulouse

Wie sieht ein normaler Wochentag hier bei dir aus?

In meinen ersten eineinhalb Jahren in Toulouse habe ich meinen Sohn betreut. Wir sind so oft wie möglich zu Eltern-Kind-Treffs oder zum Kinderturnen gegangen. Dann kam Nummer zwei und ich war ein Jahr mit ihm zuhause, während der "Große" in die Betreuung ging.

Ich habe in dieser Zeit versucht, einmal pro Woche einen 1 1/2-stündigen Französischkurs zu machen, was nicht immer gelang.

 

Inzwischen gehen beide Kinder in die Betreuung, wohin ich sie morgens mit dem Auto bringe. Danach habe ich nun endlich die Zeit, effizient Französisch zu lernen: ich verfolge so oft wie möglich einen Intensivkurs (in Toulouse Zentrum). In meiner kursfreien Zeit kümmere ich mich um Haushalt und Garten und die Jobsuche, arbeite ein wenig ehrenamtlich, genieße so oft wie möglich das südfranzösische Klima auf der Terrasse oder verabrede mich mal auf einen Kaffee.

Am Spätnachmittag geht es mit den Kindern auf den Spielplatz oder in den Garten.

Welche Hürden muss man meistern?

Es benötigt schon einige Anstrengungen und Zeitaufwand, um sein neues Leben in Toulouse erstmal zu organisieren. Zwar gibt es Unterstützung und Informationen vom Relocation-Service und viele gute Tipps hier auf der Internetseite. Dennoch gibt es in der Summe viel zu organisieren. Es bleiben viele individuelle Fragestellungen, deren Lösung man sich selbst erarbeiten muss. Dazu zählte für uns zum Beispiel, die geeignete Betreuungsform für unsere Kinder herauszufinden. Und der Anfang ist besonders schwer, wenn man ohne Französisch-Sprachkenntnisse herkommt, wie es auf mich zutraf.

 

Was gefällt dir besonders gut an dieser Region?

Die vielen Sonnenstunden, der blaue Himmel. Die vielen Weingüter. Die Nähe der Pyrenäen, des Mittelmeeres und des Atlantiks.

 

Und was magst du an den Franzosen?

Ihre Freundlichkeit und Interessiertheit, ihre Gelassenheit und die Kunst das Leben zu genießen.

 

Gibt es Dinge, die dich hier nerven?

Autofahren ist etwas nervenaufreibend. Ich hab das Gefühl, dass die Franzosen recht unsicher im Straßenverkehr sind aber dennoch sehr offensiv fahren. Und auf die wenig zum Wohnambiente beitragenden Einbauschränke - placards - in fast jedem Zimmer einer Wohnung / eines Hauses könnte ich gut verzichten.

 

Was tust Du, wenn Du einen "Heimweh-Blues" hast?

Ich besinne mich darauf, was ich hier alles schön finde. Oder ich plane etwas am nächsten Deutschlandbesuch herum.

 

Was würdest du vermissen, wenn du wieder nach Deutschland zurück gingest?

Die Sonne. Das Essen. Die französische Lebenskunst. Und viele tolle Bekanntschaften: deutsche, französische, internationale.

 

War es hier so, wie du es erwartet hattest?

Ja, es ist überwiegend so, wie ich es erhofft hatte. Und die Franzosen sind uns gegenüber viel offener und freundlicher als den gängigen Vorurteilen zufolge von mir erwartet.

 

Wie oft reist du nach Deutschland und was nimmst du dann in deinem Koffer mit nach Frankreich?

Dreimal im Jahr. Und mit nach Frankreich nehme ich dann Ferrero Küsschen, Haribo TropiFrutti, Salami, Sour Creme und Sonnenblumenkernbrot.

 

Auf was freust du dich am meisten, wenn du wieder zurück nach Deutschland kommst?

Auf Freunde und Familie. Auf die vielen Straßencafés in Hamburg, auf Alster, Elbe und Fischbrötchen.

 

Wie sieht es beruflich bei dir aus? Bist du berufstätig oder machst du Fortbildungen etc. ?

Ich möchte gerne arbeiten. Gerne in meinem Beruf. Ich kann mir aber auch vorstellen, neue Wege zu beschreiten.

Zurzeit arbeite ich an meinem Französischniveau, sowohl um fit für den Arbeitsmarkt zu sein, als auch für das alltägliche Leben. Ich besuche dazu so oft wie möglich einen Französisch-Intensivkurs.

Darüberhinaus habe vor einiger Zeit ein dreiwöchiges Berufspraktikum absolviert.

 

Magst du uns einige deiner Lieblingsplätze oder Lieblings-Aktivitäten in der Umgebung von Toulouse verraten?

In Toulouse: Place St George und Restaurant Monsieur George, Markthalle Place Wilson
In Blagnac: die verschiedenen Parks, die Innenstadt, das Restaurant Autan de Saveur, Spaziergang an der Garonne

In der Umgebung: Cahors und das Lot-Tal, in den Pyrenäen z.B. Pont d'Espagne -Wasserfall mit Wanderung zum Lac de Gaube, am Mittelmeer z.B. Saint Tropez und Umgebung, am Atlantik z.B. Biarritz 

 

Gibt es Tipps, Devisen oder Verhaltensregeln, die du anderen für Ihre Zeit in Frankreich empfehlen würdest?

Schnell französisch zu lernen (Sprachkurs, Tandem, französisches Fernsehen schauen) und es zu praktizieren. Neben Kontakten zu Deutschen auch französische Kontakte und Kontakte zu Ausländern anderer Nationalitäten suchen und pflegen.

Die französische Lebenskunst übernehmen und sich freuen, an diesem schönen Ort leben zu dürfen!

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Fr

16

Jun

2017

Interview mit Kirsten, 48, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, seit 6/2015 in Toulouse

Wie sieht ein normaler Wochentag hier bei dir aus?

Ich bin selbständig und arbeite beratend für Unternehmen in Deutschland. Dadurch ergibt sich für mich die Möglichkeit, regelmässig für Kundengespräche nach Deutschland zu fliegen. Morgens mache ich Sport, um mich dann an die Arbeit zu setzen. Wenn es das Wetter zulässt, arbeite ich supergern draußen, denn ich bin ein Frischluftfanatiker.

Von Deutschland war ich immer nur sehr spartanische Mittagspausen von 30 Minuten gewöhnt. Umso schöner, dass den Franzosen ihre Mittagspause heilig ist und in der Regel eine volle Stunde dauert.

 

Welche Hürden muss man meistern?

Die Bürokratie in Frankreich steht der deutschen Bürokratie in nichts nach. Als ich z. B. das 1. x probeweise in einem Sportverein trainieren wollte, brauchte ich extra ein Attest vom Arzt, dass dem Verein genau diese Sportart als unbedenklich für mich bestätigte und dazu noch eine Unfall-Versicherung, falls ausgerechnet beim Probetraining mir etwas zustoßen sollte. Dadurch hat es ein paar Wochen länger gedauert bis ich dann endlich meine Sportart ausprobieren konnte und ja, ich bin dabei geblieben.

 

Was gefällt dir besonders gut an dieser Region?

Ich bin ein licht-und sonnenhungriger Mensch und den Winter in Deutschland fand ich immer endlos lang. Hier im März schon an einem geschützten Plätzchen draußen essen zu können, der zeitige Frühling, laue Sommernächte und ein sonniger, warmer Herbst sind genau nach meinem Geschmack. Ich mag die Ähnlichkeit zu unserer Natur, weil es hilft, sich nicht in einem zu fremden Land zu fühlen. Toll ist die Lebensmittelvielfalt, die Wochenmärkte, die viel mehr auf saisonale und regionale Produkte setzen. Ich liebe das Flair von Toulouse und die wunderschöne Architektur einer Stadt, die - natürlich anders als Hamburg - von Bombenangriffen verschont geblieben ist. Mein Lieblingsviertel von Toulouse ist Carmes.

 

Und was magst du an den Franzosen?

Die Höflichkeit im Miteinander, ihre kreative Küche und lustigerweise inzwischen die "Bises", die kleinen Begrüßungküsschen, mit denen ich mich in den ersten Monaten so unglaublich schwer getan habe. Bei uns Zuhause gab es so etwas nur innerhalb der Familie, aber nicht mit Kollegen oder relativ flüchtig Bekannten. Es fühlte sich so unnatürlich für mich an; ich behaupte mal, dass ich bei den ersten Malen im Gesicht wirklich rot angelaufen bin, weil es sich einfach zu nah und zu fremd angefühlt hat.

 

Gibt es Dinge, die dich nerven?

Anfangs hat es mich gestört, dass der Essenstisch regelmäßig in ein Schlachtfeld verwandelt wurde: So wird Brot meist ohne Rücksicht auf Verluste auf dem Tisch geschnitten, so dass er in kürzester Zeit mit Krümeln übersät ist. Irgendwann habe ich mir dann aber gesagt, dass das eine Form französischer Tischdekoration ist und wenn ich jetzt in Deutschland bin, freue ich mich, wenn ich Brotkrümel auf dem Tisch entdecke, weil sie mich an Frankreich erinnern.

Manchmal nervt mich aber das ständig gute Benehmen.

Man sollte als Frau nicht auf die Idee kommen, spontan einen Sprint hinzulegen, um 100 m vor dem Kino noch schneller an die Kinokasse zu kommen, weil man spät dran ist. Man ist schließlich eine Dame. Und "extravagante Zärtlichkeiten" wie ein kurzer Kuss auf den Mund zwischen Mann und Frau in der Öffentlichkeit wird - nach meiner Erfahrung - als unangepasst eingestuft.

 

Was tust du, wenn du einen "Heimweh-Blues" hast?

Dafür habe ich einen Vorrat von Lakritz aus Deutschland, höre deutsches Radio im Internet oder telefoniere einfach mit einer guten deutschen Freundin. Ich interpretiere das nicht über; das ist doch normal, dass man Lebensmittel liebt und vermisst, mit denen man aufgewachsen ist. Genauso, dass man natürlich gerne in seiner Muttersprache mit Menschen spricht, die einem vertraut sind und so ähnlich gestrickt sind wie man selbst.

 

Was würdest du vermissen, wenn du wieder nach Deutschland zurück gingest?

Das knusprige Baguette, das ofenwarm über die Theke geht, die Wasser-Karaffe, die selbstverständlich zu jedem Essen im Restaurant auf den Tisch gestellt wird, die französische Sprache und nicht zuletzt: das bessere Wetter!

 

Wie oft reist du nach Deutschland und was nimmst du dann in deinem Koffer mit nach Frankreich?

1 x Monat.

Im Winter "schmuggele" ich die fantastischen türkischen Granatäpfel mit nach Frankreich, weil es hier keine vergleichbaren gibt. In die Gegenrichtung bringe ich dafür Kastanienmehl für meine Lieben nach Deutschland.

 

Auf was freust du dich am meisten, wenn du wieder zurück nach Deutschland kommst?

Meine Familie und Freunde!

 

Magst du uns einige deiner Lieblingsplätze oder Lieblings-Aktivitäten verraten?

Ausflüge in die Pyrenäen, nach Carcassonne, an die Atlantikküste (St. Jean de Luz) oder das Mittelmeer (Sète, Cap d'Agde)

Im Alltag: Entlang der Garonne per Mountainbike oder Turnschuh oder lecker Waffelnessen im gemütlichen "Le Petit Magre".

 

Gibt es Tipps, Devisen oder Verhaltensweisen, die du empfiehlst?

Für mich waren meine Mitgliedschaft in Sportverein, Aktivitäten von InterNations etc. wichtig, mich hier wohl zu fühlen und neue Freundschaften zu knüpfen. So viel wie möglich Französisch lesen, sprechen und hören, damit man weniger gehemmt ist. Ich sehe französische Spielfilme auf YouTube oder DVD und höre unterwegs französische Audio-Books aus der hiesigen Bücherei.

Und klar: Um zu sprechen, musste ich anfangs schon meinen inneren Schweinehund überwinden, um möglichst viele Situationen im Alltag zu nutzen, damit ich verschiedene Akzente und Sprachstile kennenlerne.

Aber wie heißt es schließlich: No risk, no fun!

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